Katharina Lepik

Gelsomina

„Rhetorische Ofenschirme. Der beau jour häßlicher Mädchen. Neue Wunder des Palastes Pistoja. Nachrichten von der berühmten Schwarzkünstlerin Circe, welche Bandschleifen nestelt, sowie von dem artigen Schlangenkraut, das im blühenden Arkadien wächst. Himmelblau und Rosa.“*

* E.T.A. Hoffmann, Prinzessin Brambilla

Seltsame und unwirkliche Orte in der Stadt faszinieren mich schon seit langem.
Da viele Großstädte sehr dicht bebaut sind und der öffentliche Raum oft überwiegend funktional gestaltet ist, sind solche Orte selten. Auf meiner Suche nach dem Surrealen, nach Lücken in der reinen Zweckmäßigkeit vieler städtischer Räume, stieß ich dennoch immer wieder auf überraschende und surreale Szenen. Ich fand sie in Vorstädten, in Industriegebieten und Zirkussen, in Vergnügungsparks, auf Stadtbauernhöfen und in Theatern. Aus diesen phantastischen Raumfragmenten entsteht eine Kulisse, die ich mit meinen Selbstinszenierungen bespiele.

Verschwisterung

Bei der Entwicklung unserer Persönlichkeit spielt die Identifikation mit verschiedenen Bezugspersonen eine wichtige Rolle. Als Säuglinge und Kleinkinder identifizieren wir uns mit den Eltern und imitieren ihr Verhalten. In unserer Jugend distanzieren wir uns schließlich von ihnen und legen Wert auf Individualität. Gleichzeitig haben wir doch den Wunsch nach Gemeinsamkeit und beginnen uns an Freunden und Partnern zu orientieren. Mit ihnen teilen wir gemeinsame Werte und passen uns auch in Äußerlichkeiten an. Wir können uns von anderen distanzieren oder uns ihnen anpassen, stets beinhaltet unsere Selbstwahrnehmung den Blick der anderen. So konstituieren wir Zeit unseres Lebens unsere Individualität in Bezug auf andere.

Mit meinen Porträts möchte ich diesen Prozess visualisieren: Ich porträtiere mich selbst mit wechselnden Modellen. Die „anderen“ – das sind Familienangehörige, Freunde und flüchtig Bekannte. Durch gleichartige Kleidung und Frisur sowie durch ähnliche Posen schaffe ich visuelle Ähnlichkeit. Es fasziniert mich, wie mittels dieser Angleichung zwei Individuen zu einem gemeinsamen Charakter verschmelzen zu scheinen, sich „verschwistern“. Neben dem Resultat, dem fertigen Portrait interessiert mich der gesamte Prozess der Verschwisterung.
Das gemeinsame Verkleiden und Posieren schafft Vertrautheit. Trotz dieser Zusammenarbeit mit dem Ziel einer einheitlichen Erscheinung, posiert doch jeder für sich und bringt seinen persönlichen Charakter mit in die Fotografie ein. So werden Unterschiede augenfällig, die unsere Einheit unterwandern.

Diesen Kontrast zwischen Nähe und Distanz, zwischen dem Festhalten an unserer Individualität und dem Wunsch nach einer Symbiose mit jemand wie uns möchte ich mit meinen Porträts erforschen.

Verschwisterung ist ein Langzeitprojekt. Aktuell suche ich nach neuen Modellen.

Weiß

Wahlverwandtschaft

Die Gedanken eines meiner Modelle möchte ich meiner Arbeit voranstellen:

„Ich sehe eine Ähnlichkeit.
Ich erkenne mich in der mir fremden Frau ein bisschen wieder – und muss schmunzeln! In meinem Kopf begebe ich mich auf eine Reise: in einer fremden Stadt zu sein und in den Passanten ab und an eigne Freunde wiederzuerkennen. Es ist genau diese Reise, die mir an dem Projekt gefällt.
Quer durch starre Konstrukte von Ethnizität, Geschlecht, Klasse, Sexualität, Familie oder Herkunft.
Die Sprengkraft liegt für mich in der emanzipativen Sichtweise – in der Art und Weise wie konforme Familien-Normen, -Konstitutionen und Selbstbilder visuell dekonstruiert werden.
Das Projekt spielt mit der Identitätsbildung eines wir zweier sich fremder Personen und öffnet damit einen Raum für mögliche Beziehungen (…)“

Oft passiert es, dass man bei Begegnungen mit neuen Menschen vertraute Züge zu sehen glaubt und an Freunde oder Bekanntschaften erinnert wird. Unbekannte erscheinen für einen kurzen Moment vertraut: eine Art Déjà-vu.

Dieses flüchtige Phänomen wollte ich fixieren. Mit der Fotografie zusammenfügen, was real getrennt voneinander existiert. Indem ich die Personen, die mich aneinander erinnerten zunächst einzeln porträtiere und die Bilder im Anschluss zu Paaren kombiniere, schaffe ich ein Netz aus feinen Querverbindungen zwischen den Menschen, die mir begegnen. Die meisten der Doppelgänger kennen sich nicht, so dass ich als Fotografin das einzige Bindeglied bin.

Schon seit Langem gilt mein fotografisches Interesse diesen Verbindungen. Was haben beispielsweise Freunde oder Geschwister gemeinsam und wie äußern sich diese Gemeinsamkeiten visuell? Und wie kann ich als Fotografin Beziehungen darstellen, oder sogar fiktive Verwandtschaftsverhälnisse konstruieren? Bereits in Verschwisterung steht diese Fragestellung im Zentrum meiner Arbeit. Wahlverwandtschaft ist eine weiter mögliche Antwort.

Der Sommer war so groß

Vita

Geboren 1981 in Augsburg, lebt und arbeitet in Hamburg

Studium

  • 02/2015 Master of Arts, Fotografie, Thema: „Wahlverwandtschaft“
  • 2011 – 2015 Masterstudium Fotografie bei Prof. Ute Mahler, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg
  • 03/2010 Bachelor of Arts, Schwerpunkt Fotografie, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, München

Galerie

Ausgewählte Serien können bei der Galerie Hengevoss-Dürkop in limitierter Auflage erworben werden.
http://hengevossduerkop.de/galerie/?p=1171

Ausstellungen

  • 2015 ImageSingulières, Projections, Sète, France
    Photo Phnom Penh, Kambodscha
  • 2013 Bremer Kunstfrühling, Bremen
  • 2012 PREVIEW, Berlin
    Carte Blanche, Galerie Hengevoss-Dürkop, Hamburg
    Shifted Realities, Frappant, Hamburg
  • 2011 Familiy Value, Michael Mazzeo Gallery, New York
  • 2010 Verschwisterung, Westendstudios, München
  • 2009 Der unbewusste Augenblick, Deutsches Museum, München
    Heimat auf Zeit, DG Galerie, München
    Belichtung und Wahrheit, Freelens Treffen, Foyer H.A.W. München

Online-Publikationen

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Katharina Lepik
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